Jugendumfrage zu Mehrweg-Verpackungen und der Verpackungssteuer (abgeschlossen)
Wir haben 305 Freiburger Jugendliche im Mai 2026 in einer Umfrage zur Mehrweg-Nutzung und Verpackungssteuer befragt und teilen hier die Ergebnisse.
Diese Umfrage ist eine Zusammenarbeit vom Jugendbüro und Jugendlichen und der Stadtverwaltung und die Ergebnisse erhält der Gemeinderat!
Zuerst findest du hier ein paar Erklärungen und Infos, weiter unten gehts dann direkt zu den Umfrageergebnissen!
Die wichtigsten Begriffe erklärt
Einweg
Einweg bezeichnet Produkte, die nur einmal verwendet werden, wie etwa Plastikbecher, Tüten oder Pizzakartons, die nach dem Gebrauch im Müll oder in den freien Geländen landen.
Beispiele:
Probleme wegen Einweg-Verpackungen:
Mehrweg
Mehrweg bezieht sich auf Behälter oder Verpackungen, die mehrmals verwendet werden können, wie wiederbefüllbare Flaschen oder Mehrwegbecher/-bowls.
Beispiele:
Die Verpackungssteuer
Die Verpackungssteuer erhöht die Kosten für Einwegverpackungen. Durch die Verwendung von Mehrwegverpackungen wird die Verpackungssteuer eingespart, die Konsument*innen müssen sie nicht mehr bezahlen.
ToGo
ToGo bedeutet, dass man Essen oder Getränke zum Mitnehmen bestellt, und außerhalb der Lokalität verzehrt werden.
Die Umfrage lief im Mai 2026 und ist mittlerweile geschlossen.
305 Jugendliche haben mitgemacht!
Wir haben die Umfrage ausgewertet und dem Umweltamt und Bürgermeisterin Buchheit geschickt. Die Ergebnisse nutzt die Stadtverwaltung, um noch besser die Müllflut zu beenden und gleichzeitig eure Bedenken mitzudenken.
Hier die Ergebnisse der Umfrage:
Auswertung der Umfrage aus Perspektive des Jugendbüros
Die Verpackungssteuer hat unter Jugendlichen einen schlechten Ruf und es gibt große Wis-
sensunterschiede zu den Themen Verpackungssteuer und Mehrweg-Nutzung. Die Aufklä-
rungsarbeit der Stadt zur Verpackungssteuer und Mehrwegnutzung hat viele Jugendliche nicht
erreicht, wodurch es viele Missverständnisse und Ablehnung zum Thema gibt und das Ver-
trauen in die Handlungsfähigkeit der Stadt bei Jugendlichen eher geschwächt wird. Die realen
Folgen der Verpackungssteuer spüren Jugendliche stark: gerade im Schulalltag mit schwerem
Rucksack, oft unzureichenden Schulkantinen und wenig Geld in der Tasche sind Jugendliche
besonders stark auf ToGo Angebote angewiesen und bemerken besonders stark die zusätzli-
chen Kosten im Geldbeutel. Jugendliche fordern ein einheitliches, stadtweites Mehrweg-Sys-
tem mit einfachen Ausleih- und Rückgabemöglichkeiten, sie haben Sorge vor hohen Pfand-
Beträgen für jede geliehene Verpackung und drängen auf die Vereinbarkeit jugendlicher Spon-
tanität mit dem als starr und komplex wahrgenommenen Pfand-Systems. Ihnen ist oft Umwelt-
schutz ein wichtiges Anliegen, auch wenn sie mit der konkreten Umsetzung der aktuellen Maß-
nahmen Schwierigkeiten haben.
Ein lohnendes Pilotprojekt zur Verankerung der Mehrweg-Verpackungen könnte die Ausstat-
tung von Schulen mit Pfand-Automaten sein, an denen gängige Mehrweg-Verpackungen aus-
geliehen und wieder abgegeben werden können sowie Informationen zur Nutzung zielgrup-
pengerecht ausgehängt sind. Wünschenswert wäre für Jugendliche in Freiburg eine frühzeitige
Beteiligung der Bevölkerungsgruppe bei der Einführung der Verpackungssteuer und des Mehr-
weg-Systems gewesen, um in dieser mehrfach besonders stark betroffenen Gruppe mehr Ak-
zeptanz zu schaffen.
Detaillierte Auswertung der Umfrage:
Viele Jugendliche sind sich bewusst, dass sie in ihrem Alltag schon Mehrweg-Produkte nutzen.
72% der Befragten geben an, dass die Mehrweg-Verpackungen nutzen. 78% der Nutzenden
geben die eigene Trinkflasche als Mehrweg-Produkt in Nutzung und 69% die private Vesper-
box an. Immerhin 25% der bewussten Nutzer*innen von Mehrweg nehmen „Mehrweg Ange-
bote von Läden“ an. Häufigste Eingaben im Kommentarfeld waren außerdem Beutel (Jutebeu-
tel, Brotbeutel, Tüten) und Becher.
Nach der eigenen Einschätzung gefragt, „wie stark [man] die Verpackungssteuer im eigenen
Geldbeutel“ spürt, geben 36% mit 10 von 10 Punkten den höchsten Wert an. 12% wiederum
meinen, sie spüren die Steuer nicht (1 von 10 Punkten). Weitere 27% bewegen sich zwischen
den Werten 6 und 8, insgesamt haben 67% der Befragten einen Wert zwischen 6 und 10
angegeben.
Wenig überraschend sind die drei Produkte mit der höchsten gefühlten Belastung der Döner,
der Yufka und die Pizza (Werte zwischen 78 und 65% bei Multiple Choice Optionen). Auch
Produkte von Fastfoodketten und Getränke to go sind Produkte, deren Preis seit Einführung
der Verpackungssteuer für Jugendliche bemerkbar gestiegen sind.
Bemerkenswert ist, dass zwar viele Jugendliche die privaten Mehrweg-Verpackungen kennen
und nutzen, aber aktuell 70% der Befragten angeben, noch keine Erfahrung mit alternativen
Verpackungen ihrer bevorzugten ToGo-Produkte gemacht haben.
Befragt nach den Mehrweg-Verpackungen, die die anderen 30% der Jugendlichen schon ken-
nen, haben Jugendliche geantwortet: „Eigene mehrwegverpackung mitbringen“, „Recupbe-
cher“, „Rebowl „, „Waffelbecher für Eis“, „Glas“, „Keine [Verpackung]“, „Das man in die Glas
Kiste geht“.
Wir interpretieren die Ergebnisse so, dass Jugendliche sich bisher vor allem auf ihre privaten
Produkte verlassen, bereits etablierten Pfandsystemen eher eine Chance geben und sie die
Nützlichkeit von essbaren Verpackungen sehen und Verpackungen insgesamt einzusparen
eher unterstützen als mehrfach nutzbare Verpackungen (Beispielhaftes Zitat: „mehrweg pfand-
system bei fastfood (ekelhaft)“).
Befragt nach möglichen Pfandbeträgen für Mehrweg-Verpackungen können Jugendliche sich
selten vorstellen, mehr als einen Euro Pfand zu hinterlassen.
Gefragt danach, was es für die Jugendlichen schwierig macht, die Mehrweg-Verpackungen zu
nutzen, erhalten wir vielfältige Antworten. Die Grundstimmung der Kommentare fasst diese
Eingabe gut zusammen: „Der Aufwand es wieder an bestimmten Stellen abgeben zu müssen,
dass Gefühl mehr Geld ausgegeben zu haben (wegen dem Pfand), die Verpackungen den
restlichen Tag noch rumtragen zu müssen“. Die meisten Sorgen bereitet die Koordinierung
vorab und nach dem Essen (Welche Läden machen überhaupt mit? Weiß ich morgens, wo ich
mittags hin essen gehe? Wohin mit der Verpackung nach dem Essen? Wie lange dauert es,
bis ich mein Pfand wirklich wieder habe?) und der Platzmangel im Rucksack, gefolgt von dem
Gefühl einer Preissteigerung. Immer wieder erhalten wir auch politische Antworten für und ge-
gen die Einführung von stadtweiten Mehrweg-Systemen und der Verpackungssteuer. Contra:
„Ich will in keiner öko Stadt leben“, „AM BESTEN KEIN GELD FÜR DIE SCHEISE“. Pro: „Die
Bequemlichkeit, aber die sollte man sich halt abgewöhnen.“, „Nichts“.
Mögliche Lösungen aus Sicht der Befragten gehen in verschiedene Richtungen. Einige her-
vorzuhebende Beispiele hier, die gesamtem Umfrage-Ergebnisse im Anhang:
„Mehr Automaten mit Pfandrückgabe für diverse Mehrwegverpackungen“
„Verpackung mit coolen Sachen bedrucken“
„Aufklärung über die Folgen und was sonst hinter dem Gesetz steckt. Es darf nicht als nervige
Geldverschwendung sondern als „gute Tat“ um den Klimawandel zu stoppen gesehen wer-
den.“
„Biologisch abbaubare Verpackung nutzen“
„Ein einheitliches verpackungs System bei dem alle Läden verpflichtet sind es anzubieten“
„strafen für verschmutzung“
„Förderungen von der Stadt an die Läden für die Anschaffung von Mehrwegverpackungen“
„Ausleihen und dann direkt wieder zurück geben“
„Keine, einfach nicht Verpackungssteuer machen und weiter die Welt vermüllen“
Auf die konkrete Frage, wie ein Yufka ohne Einwegverpackung gekauft werden kann, antwor-
ten die Befragten mit Papier-Verpackung, eigene Box mitbringen oder im Laden erhalten, ganz
ohne Verpackung auf die Hand nehmen oder vor Ort zu essen. Häufig sagen die Jugendlichen
aber auch, dass sie sich keine gute Alternative vorstellen können.
Während 45% der Befragten ein Stofftuch als Mehrweg-Verpackung sich nicht vorstellen kön-
nen, finden 20% die Idee super. Weitere 10% können sich vorstellen, so ein Tuch über die
Schule auszuleihen und zu waschen, während 22% der Befragten ein Tuch im Privatbesitz
bevorzugen würden. Insgesamt ist das Bild also sehr breit. 45% lehnen das gezeigte „Yufka-
Tuch“ ab, während circa 40% sich grundsätzlich eine Nutzung vorstellen können.
Gefragt nach weiteren Kommentaren zur Mehrwegnutzung, kamen viele wichtige Anmerkun-
gen:
Die häufigste Forderung war auch hier die Abschaffung der Verpackungssteuer. Genannte
Gründe sind die Kosten, die Hygiene, allgemeiner Unwillen sich für Nachhaltigkeit einzuset-
zen, der Mehraufwand, das unvollständig wahrgenommene Konzept in Freiburg.
Weitere Aussagen:
„Der logistische Aufwand ist doch viel zu groß und Ressourcen ntensiv. lieber den Bürger zu
erziehen seinen Müll ordnungsgemäß in einen Abfall Eimer zu entsorgen.“
„Man muss bedenken das es für manche Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten
schwierig sein kann alternativen zu „normalen“ Verpackungen zu verwenden“
„Man sollte nicht für Verpackungssteuer 50 Cent erwarten können , es gibt viele Familien die
sich dadurch nichts mehr zum mitnehmen oder liefern lassen weil sie sich das nicht finanzieren
können. Und das ist unfair ihnen gegenüber“
„Bäckertüten in Supermärkten und Bäckereien verbieten und durch ein Mehrweg System er-
setzen. Außerdem Supermarkt einweg Verpackungen minimieren. Wird zwar nicht auf zufrie-
den Heiz in der Bevölkerung treffen aber wenn man den Kunden keine andere Wahl gibt als
ein mehrweg Behälter nutzen entsteht weniger Müll.“
„Das Yufka-Tuch beispielsweise ist eine gute Idee, wenn es dann auch die EINZIGE Option
wäre. Die Menschen werden das praktischste und am wenigsten umständliche machen, wes-
halb sie eine Verpackungssteuer wohlmöglich in Kauf nehmen würden, damit sie sich keinen
Aufwand machen müssen.“
„Der Pfand darf nicht zu hoch sein aber auch nicht so niedrig dass man es einfach weg-
schmeißt.“
„Ein Pfandsystem wäre am sinnvollsten, weil der Käufer dadurch keine Kosten trägt und die
Läden wieder mit den Preisen runtergehen können.“
Empfehlung des Jugendbüros:
Auf Grundlage der Umfrage sowie vielen Gesprächen mit Schüler*innen während der Wahl-
kampagne, bei Sitzungen des Schüler*innen-Rats sowie den Diskussionen im 8er-Rat kommt
das Team des Jugendbüros zu folgenden Empfehlungen:
Wir empfehlen die Entwicklung eines Mehrweg-Systems, das stark an Schule andockt und
gemeinsam mit Schule und Jugendlichen entwickelt und in einer Pilotphase erprobt wird. So
wird die Nutzung von Mehrweg-Verpackungen für Jugendliche niederschwellig verständlich,
im Alltag leicht umsetzbar und ihrer Lebensrealität gerecht. Hierfür ist es wichtig, Ressourcen
für die Konzeptentwicklung und für die Umsetzung bereit zu stellen und die Bereitschaft von
Schulen an der Umsetzung mitzuwirken. Mit einem speziell auf Schulen ausgelegten Schü-
ler*innen-Mehrweg-System könnte Freiburg bundesweit eine Vorreiterrolle einnehmen.
Jugendliche trifft die Verpackungssteuer besonders stark, weshalb viel Unmut gegenüber der
Maßnahme existiert. Die Etablierung eines leicht verständlichen Mehrweg-Systems würde die
Akzeptanz der Steuer sowie der Mehrweg-Produkte steigern. In jedem Fall sind weitere Öf-
fentlichkeitskampagnen zur Verbreitung wichtiger Informationen zur Vermeidung von Verpa-
ckungsmüll und Nutzung der existierenden Systeme ein wichtiger Hebel, damit das notwen-
dige Wissen die Zielgruppe erreicht und sie (hoffentlich) positive Erfahrungen mit Mehrweg-
Produkten sammeln.
Neben der Frage nach Mehrweg-Nutzung und Verpackungssteuer in der kommerziellen Gast-
ronomie erreichen uns oft von Schüler*innen Beschwerden über unzureichende Schulkantinen
und Schwierigkeiten für Schüler*innen, an günstiges und gutes Essen zu gelangen. Eine Er-
hebung der aktuellen Kantinen, Nutzer*innenzahlen sowie der Auf- oder Ausbau bestehender
Orte zu vollwertigen Kantinen kann die nötige Datengrundlage liefern, wäre empfehlenswert.
Dies würde Verpackungsmüll konkret reduzieren und zugleich die ausreichende und gesunde
Ernährung der Schulgemeinschaft zu fördern.
Zahl der Teilnehmenden an der Umfrage
An der Umfrage haben sich 305 Menschen beteiligt, wovon 266 Beteiligte ihr Alter zwischen
12 und 18 Jahren angegeben haben. Die weiteren 49 Angaben außerhalb des klassischen
Jugend-Alters ergeben sich entweder durch Falschaussagen („0“, „67“, „9999..“) oder sind
noch im Rahmen eines erweiterten Jugendbegriffs miteinzubeziehen. Auch viele der Angaben
zwischen 26 und 60 scheinen von Jugendlichen angegeben zu sein, zumindest konnten die
konkreten Eingaben der Beteiligten so gelesen werden. Insgesamt wurden 5 Ergebnisse aus-
geschlossen, da die Altersangabe sowie Schriftstil und Zeitpunkt der Eingabe auf eine erwach-
sene Person schließen ließen. Die genaue Aufschlüsselung der 305 in die Umfrageergebnisse
einbezogenen Eingaben sind im Anhang aufgeschlüsselt.
infobox
Titel
Schlagworte
Status
Umfrage abgeschlossen. Jetzt Auswertung!
Partner
- Projektgruppe im 8er-Rat
- Umweltschutzamt
Material
- Was ist die Verpackungssteuer? Hier gibts mehr Infos
Dauer der Umfrage
5.05.2026 bis 30.05.2026
Ergebnisse
- Die Ergebnisse als PDF downloaden
- oder hier auf der Seite lesen
Kontakt zum Jugendbüro
Flo, Ronja und Tine
Tel: 0761 7919 79 90
Mail: info@jugendbuero.net
Insta: @jugendbuero_freiburg
